5 Fragen an Gastro-Profi Hannes Brandenburg
5 Fragen an Gastro-Profi Hannes Brandenburg
Unser Interview-Format „5 Fragen an …“ geht in die nächste Runde – diesmal mit einem echten Küchenkapitän: Hannes Brandenburg, leidenschaftlicher Koch und Vollprofi am Herd. Der Rostocker serviert uns knusprig-ehrliche Einblicke, eine ordentliche Prise Motivation und würzt das Ganze mit einem legendären Flammen-Moment mitten in einer Hochzeitsrede. Was ihn an der Gastro fasziniert? Was junge Leute wissen sollten, bevor sie die Kochjacke überwerfen? Und welcher Mythos ihm regelmäßig das Mise en Place versalzt? Hannes redet nicht um den heißen Brei – sondern bringt's auf den Punkt: Gastro ist kein Zuckerschlecken. Aber genau deshalb so verdammt #hartabergeil.
Hallo Hannes. Wie bist du zur Gastro gekommen – Zufall oder Leidenschaft?
Ich wollte was Kreatives machen, mit den Händen arbeiten, was schaffen, worin ich mich selbst wiederfinde – einfach was mit künstlerischem Anspruch. Kochen fand ich schon immer spannend. Ich hab schon mit 15 Jahren in der Küche gearbeitet, und irgendwie war das auch immer so ein Ort, wo ich mich wohlgefühlt habe. 2008 habe ich dann meine Ausbildung in Zingst angefangen.
Eigentlich war das Plan B – aber ziemlich schnell wurde daraus Plan A. Denn ich habe gemerkt: Die Küche ist genauso kreativ wie die Werkstatt eines Tischlers. Du arbeitest mit Rohstoffen, machst was Eigenes draus, spielst mit Farben, Formen, Texturen – und am Ende kommt was auf den Teller, was im besten Fall nicht nur satt macht, sondern Eindruck hinterlässt. Heute bin ich richtig froh, dass es so gekommen ist.
Was war dein verrücktester Moment im Job?
Das war bei einer Hochzeit – wir hatten ein richtig schönes Buffet vorbereitet, mit allem drum und dran, auch ein BBQ war dabei. Ich war mit meinem Küchenteam vor Ort, alles lief super. Ich hatte einer Kollegin, die noch nicht so viel Erfahrung mit Fleisch hatte, die Aufgabe aufgetragen, das Fleisch zu marinieren. Leider war in ihrer Marinade viel Öl drin. Der Bräutigam stand gerade mitten in seiner Rede, ich leg das Fleisch auf – und zum Schluss die Hähnchenkeulen. Und dann kam sie: die größte Stichflamme, die ich je gesehen habe. Die ganze Hochzeitsgesellschaft war in heller Aufregung, alle Augen auf den Grill. Der Bräutigam hat kurz gestoppt, kam rausgerannt und fragte, ob alles okay sei. Ich hab einfach ruhig den Deckel zugemacht, das Ding ausbrennen lassen und gesagt: „Ich dachte, ihr habt das Komplettpaket gebucht – inklusive Feuershow.“
Er hat gelacht, ist wieder rein, und ich bin direkt in die Küche gestiefelt, hab die Marinade abgewaschen und schnell eine neue gemacht. Am Ende war alles top, das Essen kam super an – aber das war echt haarscharf. Fast hätte die ganze Bude Feuer gefangen. Das werde ich nie vergessen.
Was sollten junge Menschen über die Gastro wissen, bevor sie einchecken?
Gastro ist anders. Wild. Das solltet ihr wissen. Es ist wie ein kleines Paralleluniversum mit eigenen Regeln und Gesetzen. Du lebst oft entgegengesetzt zu den meisten anderen Leuten – wenn alle feiern, arbeitest du. Wenn alle schlafen, hast du Feierabend. Aber genau das macht es aus. Man ist ein Team, und man geht durch dick und dünn.
Die Gastro zieht die interessantesten Charaktere an, schräge Vögel, kreative Köpfe, echte Originale. Es gibt immer was zu lachen, und ganz ehrlich: Ich glaube, es gab kaum einen Tag, an dem ich nicht richtig herzlich gelacht habe. Jeder, der das länger als fünf Jahre macht, hat irgendwie ’n kleinen Knall aber genau deshalb ist es ja so lustig!
Welcher Gastro-Mythos geht dir richtig auf die Nerven?
Was soll ich sagen – vieles, was man sich so erzählt über die Gastro, ist zwar manchmal überspitzt, aber im Kern ist da manchmal etwas wahres dran. Und genau das nervt manchmal.
Als Gastronom findest du selten eine Stelle, wo du nach 8,5 Stunden den Löffel fallen lässt, noch entspannt 30 Minuten am Tisch sitzt und eine Mahlzeit genießt. Ein Job in der Gastro ist immer anstrengend, aber genau das macht ihn auch so reizvoll. Ein Tag voller Langeweile wäre nichts für mich.
Wenn es nur ein entscheidendes Argument für eine Ausbildung bzw. einen Job im Gastgewerbe gäbe – welches wäre es aus deiner Sicht?
Vor etwa drei Jahren hab ich für mich richtig erkannt, was dieser Beruf eigentlich bedeutet: Wir gehören zu den wenigen Leuten, die Menschen wirklich glücklich machen. Als Koch stillst du nicht nur ein Grundbedürfnis – du sorgst für das gewisse Etwas. Essen und Trinken stehen oft im Mittelpunkt der schönsten Momente im Leben: das erste Date, eine Hochzeit, die Einschulung, ein Abschluss, ein Jubiläum, eine Firmenfeier. Und du bist mittendrin.
Du schaffst Erinnerungen. Und wenn die Gäste zufrieden sind, vielleicht sogar richtig glücklich, dann bist du es auch. Wer kann schon sagen: „Mein Job ist es, Menschen glücklich zu machen“?
Wenn du in der Gastronomie arbeitest, kannst du genau das sagen. Und zwar mit echtem Stolz.
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